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Sucharit Bhakdi
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Sucharit Bhakdi (* 1. November 1946 in Washington, D.C., Vereinigte Staaten) ist ein deutscher Mediziner. Bis zu seinem Ruhestand 2012 war er als Professor und Lehrstuhlinhaber fĂŒr Medizinische Mikrobiologie tĂ€tig, von 1982 bis 1990 an der Justus-Liebig-UniversitĂ€t GieĂen, dann bis 2012 als Direktor des Instituts fĂŒr Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Johannes Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz. Von 2016 bis Dezember 2020 beteiligte er sich als Gastwissenschaftler an Forschungsprojekten der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t zu Kiel.
Seit MĂ€rz 2020 Ă€uĂert sich Bhakdi in Videos, Interviews und zwei zusammen mit seiner Frau, der Biochemikerin Karina ReiĂ, verfassten BĂŒchern ablehnend zu staatlichen MaĂnahmen gegen die COVID-19-Pandemie und verbreitet Falschinformationen dazu. Infektiologen, Epidemiologen und weitere Experten widerlegten die meisten seiner Thesen. Zudem werden einige seiner Aussagen als antisemitisch kritisiert.
Contents
âą Forschung
âą Zum Immunsystem
âą Auszeichnungen
âą Zu Fallzahlen
âą Corona unmasked
âą Zu Impfstoffen
âą Reaktionen
âą Publikationen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Berufliche Laufbahn
Die Eltern von Sucharit Bhakdi (thailĂ€ndisch àžȘàžžàžàžŁàžŽàž àž àž±àžàžàž” []) sind ThailĂ€nder. Sein Vater war Botschafter seines Landes in der Schweiz. Seine Mutter studierte Humanmedizin an der Johns Hopkins University in Baltimore und begeisterte ihn nach eigener Aussage fĂŒr das Fach. Bhakdi studierte Humanmedizin in Thailand, Ăgypten und Deutschland, zuerst an der UniversitĂ€t Bonn. Dort war er zeitweise Privatassistent bei dem Internisten Walter Siegenthaler.cite-ref-ww2020-1-0[1]
Im Februar 1971 wurde er an der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Bonn zum Doktor der Medizin promoviert. Von 1972 bis 1976 studierte er als Stipendiat der Max-Planck-Gesellschaft, spĂ€ter der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Max-Planck-Institut fĂŒr Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg im Breisgau. Nach einem einjĂ€hrigen Studium an der UniversitĂ€t Kopenhagen arbeitete er von 1977 bis 1990 am Institut fĂŒr Medizinische Mikrobiologie GieĂen. Im Juli 1979 habilitierte er sich. 1982 wurde er zum C2-Professor und 1987 zum C3-Professor fĂŒr Medizinische Mikrobiologie ernannt und 1990 an die UniversitĂ€t Mainz berufen. Dort leitete er ab Mai 1990 als C4-Professor das Institut fĂŒr Medizinische Mikrobiologie und Hygiene. Von 1999 bis 2003 gehörte er zum Senat der UniversitĂ€t Mainz. Seit Anfang 2000 war er Sprecher des Sonderforschungsbereichs âInvasion und Persistenz bei Infektionenâ fĂŒr die Deutsche Forschungsgemeinschaft. FĂŒr diese war er von 1995 bis 2003 auch als Fachgutachter fĂŒr medizinische Mikrobiologie und Immunologie tĂ€tig, ebenso fĂŒr die National Science Foundation (NSF) der USA sowie die entsprechenden Gesellschaften in Kanada und Israel.cite-ref-2[2] 1997 grĂŒndete er das Thai Network for Biomedical Research in Thailand.cite-ref-idw2002-3-0[3] Damals besaĂ er die thailĂ€ndische StaatsbĂŒrgerschaft.cite-ref-4[4]
Seit 1. April 2012 ist Bhakdi Professor im Ruhestand ohne Mitgliedschaftsrechte an der UniversitĂ€t Mainz und ihrer Medizinischen FakultĂ€t.cite-ref-unimainzokt2020-5-0[5] Ab 2016 beteiligte er sich an Forschungsprojekten der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Kiel; dieser Gestattungsvertrag wurde seitens der UniversitĂ€t wegen Bhakdis âunbelegter und nicht seriöser Behauptungenâ und Aussagen vorzeitig zum 31. Dezember 2020 beendet.cite-ref-6[6] Bhakdi ist mit der Kieler Biochemikerin Karina ReiĂ verheiratet und hat mit ihr einen gemeinsamen Sohn.cite-ref-7[7]
Forschung
Zum Immunsystem
Ab 1972 am Freiburger Max-Planck-Institut fĂŒr Immunbiologie erforschte Bhakdi das Funktionieren der unspezifischen körpereigenen Abwehr. Er trug dazu bei, die Mechanismen besser zu verstehen, mit denen die groĂen MolekĂŒle des Komplementsystems im Blut körperfremde Stoffe unschĂ€dlich machen.cite-ref-8[8]
1978 entdeckte Bhakdi ein Protein, das Zellen durch Einsenkung in die Zellmembran mit daraus resultierender Bildung einer Pore angreift und schĂ€digt (siehe Membranangriffskomplex).cite-ref-9[9] Es handelte sich um das VollstreckermolekĂŒl des Komplementsystems, das als Ergebnis einer Kettenreaktion des Immunsystems auf der OberflĂ€che von fremden Zellen gebildet wird. Daraufhin folgte die Entdeckung, dass Bakterien ihrerseits auch porenbildende Proteine produzieren können.cite-ref-10[10] Heute ist bekannt, dass die groĂe Mehrzahl von krank machenden Bakterien Porenbildner produzieren, die zur SchĂ€digung von Wirtszellen fĂŒhren. 1984 lud die Royal Society in London Bhakdi ein, ihr das Konzept der MembranschĂ€digung von Zellen durch Porenbildner vorzustellen.cite-ref-11[11] Fortan befasste sich Bhakdi schwerpunktmĂ€Ăig mit der Forschung zu diesem Thema.cite-ref-12[12]
Zur Atherosklerose
Die Untersuchungen des Komplementsystems fĂŒhrten Bhakdi auf das Gebiet der Atherosklerose. 1989 entdeckte er mit Tierversuchen, dass die Komplementkomponente C5 in GefĂ€ĂwĂ€nden dort aktiviert wird, wo sich das Low Density Lipoprotein (LDL) ablagert.cite-ref-13[13] GemÀà der aktuellen Lehrmeinung (âOxidationshypotheseâ) ist Atherosklerose eine polygene Krankheit, die durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Umwelt- und genetischer Faktoren verursacht wird, besonders Cholesterin. Dieses wird via LDL im Blut transportiert und von den Zellen, die es benötigen, ĂŒber zellstĂ€ndige Rezeptoren aufgenommen. Es kann sich aber beim Transport in den BlutgefĂ€ĂwĂ€nden ansammeln und dort oder schon vorher oxidieren. Dadurch werden Monozyten angelockt, die das oxidierte LDL aufnehmen und sich in âSchaumzellenâ verwandeln. Diese stoĂen dann chronische, gefĂ€ĂwandschĂ€digende EntzĂŒndungsreaktionen an. Bhakdi und seine Teamkollegen stellten dagegen 1998 die âMainzer Hypotheseâ auf, dass Atherosklerose nur monokausal durch den fehlenden Abtransport von LDL verursacht werde.cite-ref-mh-14-0[14]cite-ref-15[15]
Nach Bhakdis Hypothese wird LDL grundsĂ€tzlich nicht oxidiert, aber Cholesterin wird ebenfalls von Monozyten aufgenommen und es bilden sich Schaumzellen. Jedoch kann das High Density Lipoprotein (HDL) Cholesterin wieder abtransportieren. Falls sich aber ein gewisses MaĂ an LDL lokal an der GefĂ€Ăwand anhĂ€uft und der Abtransport nicht hinterherkommt, werden ĂŒber einen Teil des Immunsystems entzĂŒndliche Reaktionen verursacht, die zur Atherosklerose fĂŒhren. Damit könnte bei einer Senkung des LDL-Blutspiegels (und Blutdrucks) und einer Erhöhung des HDL-Spiegels eine Atherosklerose im FrĂŒhstadium rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden.cite-ref-16[16] Bhakdis Hypothese fand jedoch keinen Niederschlag in der gĂ€ngigen Lehrmeinung.cite-ref-mh-14-1[14]
Auszeichnungen
Bhakdi erhielt fĂŒr seine Forschungsarbeiten ĂŒber die Wirkungsmechanismen bakterieller Toxine und von Complementfaktoren 1979 den Preis der Justus-Liebig-UniversitĂ€t GieĂen, 1980 den Konstanzer Medizin-Preis, 1987 den Preis der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Hygiene und Mikrobiologie, 1988 den Dr.-Friedrich-Sasse-Preis, 1989 den Ludwig-Schunk-Preis fĂŒr Medizin.cite-ref-17[17]
1989 erhielt er den Robert-Koch-Förderpreis der Stadt Clausthal-Zellerfeld,cite-ref-18[18] 1991 den deutsch-französischen Gay-Lussac-Humboldt-Preis.cite-ref-19[19]
1999 zeichnete die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Angiologie die Dozentin Mariam Klouche als Vertreterin von Bhakdis Mainzer Forschungsgruppe Atherosklerose mit dem vom Unternehmen Schwarz Pharma gestifteten Angiologischen Preis aus. Anlass war ihr Fachaufsatz Enzymatically modified, nonoxidized LDL induces selective adhesion and transmigration of monocytes and T-lymphocytes through human endothelial cell monolayers.cite-ref-20[20] 2001 erhielt Bhakdi den Aronson-Preis fĂŒr âwegweisende Arbeiten auf dem Gebiet des Komplementsystems und bakterieller Toxineâ.cite-ref-idw2002-3-1[3]
1999 verlieh die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Arterioskleroseforschung Bhakdi den Gotthard-Schettler-Preis, 2005 den W.H. Hauss-Preis,cite-ref-unimainzbio-21-0[21] 2009 die Rudolf-Schönheimer-Medaille fĂŒr seine besonderen Verdienste in der Atheroskleroseforschung.cite-ref-22[22] 2005 erhielt er den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.cite-ref-tonl2022-23-0[23]
Haltung zur COVID-19-Pandemie
Bhakdi hat zu Coronaviren und damit verbundenen epidemiologischen Themen weder geforscht noch publiziert. Die wissenschaftliche Datenbank MEDLINE enthielt 2019 und 2020 keinen Artikel von ihm.cite-ref-cicero-24-0[24] Gleichwohl stellte er sich in der COVID-19-Pandemie in Deutschland als Experte dar und wurde von seinen AnhĂ€ngern so gesehen. Ab 18. MĂ€rz 2020 (kurz nach Beginn des ersten âLockdownsâ) verbreitete er seine Ansichten ĂŒber einen eigenen YouTube-Kanal. In einem seiner ersten Videos nannte er die staatlichen CoronamaĂnahmen âsinnlos und selbstzerstörerischâ.cite-ref-25[25] Bis Ende MĂ€rz 2020 veröffentlichte er vier Videos und gab Ken Jebsen auf dessen YouTube-Kanal KenFM ein Interview dazu.cite-ref-swr-faktencheck-26-0[26]
Zu Fallzahlen
In einem Video vom 29. MĂ€rz 2020 stellte Bhakdi fĂŒnf Fragen zu seinen eigenen Behauptungen an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel:
âą Man mĂŒsse zwischen Infizierten und tatsĂ€chlich Erkrankten unterscheiden. Aus welcher Statistik werde die Belastung der KrankenhĂ€user hochgerechnet?
âą SARS-CoV-2 sei kaum gefĂ€hrlicher als lĂ€ngst bekannte Coronaviren. Das an diese gewöhnte Immunsystem könne daher wohl auch das neue Virus abfangen. Wie viele IntensivfĂ€lle gingen auf neue, wie viele auf Ă€ltere Viren zurĂŒck?
âą Der rasche Anstieg der Fallzahlen zeige eine unbemerkte Virusverbreitung, die somit nicht mehr zu verhindern sei. Die âoffizielle Todesrateâ sei zu hoch angesetzt. Seien stichprobenartige Tests geplant, um die Dunkelziffer der Infizierten in der Bevölkerung einzugrenzen?
âą Man dĂŒrfe nicht alle Toten, bei denen das Virus gefunden wurde, als Coronatote zĂ€hlen. Die Statistik mĂŒsse zwischen âanâ oder âmit Covid-19 gestorbenâ unterscheiden. Solle der unterschiedslose âGeneralverdachtâ in Deutschland fortgesetzt werden?
âą Die hohe Luftverschmutzung in Norditalien habe dessen Bewohner viel anfĂ€lliger fĂŒr schwere KrankheitsverlĂ€ufe gemacht und dort hohe Todeszahlen bewirkt. Das deutsche Gesundheitswesen besitze viel mehr Intensivstationen und sei daher kaum vom Kollaps bedroht. Werde die Bundesregierung die Deutschen ĂŒber diese Unterschiede aufklĂ€ren?cite-ref-br-faktencheck-27-0[27]
Bhakdi warf Merkel also indirekt vor, sie habe mit lĂŒckenhaften Daten ĂŒberzogene MaĂnahmen eingefĂŒhrt und betreibe Panikmache. Das Video wurde in 14 Tagen rund 2,2 Millionen Mal aufgerufen und zehntausendfach in anderen sozialen Medien geteilt.cite-ref-28[28] Ab 23. MĂ€rz 2020 wiesen Faktenchecks öffentlich-rechtlicher und bundesweiter Medien Bhakdis Hauptthesen zurĂŒck:
⹠Das Virus sei durch höhere Ansteckungsraten, schwerere KrankheitsverlÀufe und fehlende Impfstoffe weit gefÀhrlicher als die gewöhnliche Influenza.
âą Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) verliefen bis zu 20 % aller FĂ€lle (nicht, wie Bhakdi behauptete, weniger als ein Prozent) schwer oder lebensbedrohlich. 51 bis 81 % zeigten deutliche Symptome.
âą Bhakdis SchĂ€tzung von höchstens einer Million Infizierten in Deutschland und 30 Toten tĂ€glich sei viel zu niedrig und durch tĂ€glich hunderte Tote in anderen Staaten schon ĂŒberholt. Ohne MaĂnahmen wĂŒrden die Fallzahlen rasch stark ansteigen und das deutsche Gesundheitssystem bald ĂŒberlasten.
âą Die Hochrechnung von zu erwartenden Krankenzahlen aus registrierten Infektionen sei nur ein (zugegeben ungenauer) Startpunkt fĂŒr genauere Zahlen und fĂŒr rechtzeitige GegenmaĂnahmen notwendig gewesen.cite-ref-30[30]
âą Bhakdis Fragen nach Todesraten, Dunkelziffer und DatenlĂŒcken seien legitim und wĂŒrden auch von Forschern diskutiert. Doch fĂŒr sie sei die lĂŒckenhafte Datenlage âkein Grund, Entwarnung zu gebenâ.cite-ref-br-faktencheck-27-1[27] Bhakdi dagegen vermische âFakten mit Spekulation und Desinformation.âcite-ref-31[31]
In einem Interview mit Milena Preradovic am 25. April 2020 behauptete Bhakdi unter anderem:
âą Ăber 80-jĂ€hrige Deutsche stĂŒrben wahrscheinlicher an Herzerkrankungen oder Krebs als an Corona. Dazu berief er sich auf eine Studie von John Ioannidis, die jedoch auf unzuverlĂ€ssigen Antikörpertests beruhte und daher von vielen Experten kritisiert worden war.
âą In Italien seien nach offiziellen Angaben 88 % der registrierten Verstorbenen mit, nicht an dem Virus gestorben. Der Regierungsberater Walter Ricciardi hatte jedoch von 88 % vorerkrankten Coronatoten gesprochen und das Virus als ihre Todesursache nicht ausgeschlossen.
âą In Deutschland und Italien seien kaum Autopsien durchgefĂŒhrt worden. In beiden Staaten lagen bis dahin jedoch keine Gesamtzahlen dazu vor. In Hamburg, wo alle mit COVID-19 Gestorbenen obduziert wurden, stellte man das Virus im Mai 2020 bei 205 von 228 Toten (fast 90 %) als Todesursache fest.
⹠In Hamburg und Italien hÀtten alle im April 2020 mit COVID-19 Verstorbenen Vorerkrankungen gehabt. Doch laut dem RKI starben bis zum 17. Juni 2020 228 von 257 Hamburgern (fast 89 %) an dem Virus, nicht nur mit ihm. In Italien hatten laut dem Istituto Superiore de Sanità 3,6 % der Coronatoten vom 23. April 2020 keine Vorerkrankungen.
âą Das Virus sei nicht gefĂ€hrlicher als ein Grippevirus. Jedoch war diese Behauptung unbelegt: Bei Influenza lag die LetalitĂ€t (Anteil der Toten an den Infizierten) im europĂ€ischen Jahresdurchschnitt bei 0,1 %; bei SARS-CoV-2 gab es dazu im Juni 2020 noch keine Erkenntnisse. Aussagen waren nur ĂŒber den Fall-Verstorbenen-Anteil möglich, dieser lag laut RKI-Daten in Deutschland bei 4,7 %.
âą Weil der Erreger mutiere, sei eine Impfung sinnlos. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) könnten jedoch nur mehrere akkumulierte Mutationen einer von Impfstoffen induzierten ImmunitĂ€t entkommen. Darum wurden Impfstoffe entwickelt, die auch gegen leicht verĂ€nderte Virusvarianten wirken; auĂerdem könne der Impfstoff wie bei der Grippeimpfung an Mutationen angepasst werden.
Bis Mai 2020 erwiesen sich Bhakdis Hauptthesen statistisch als falsch:
âą Das Virus tötete keineswegs nur im Verbund mit anderen Krankheiten. Nach damaligen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren etwa 20 % der gemeldeten Coronatoten jĂŒnger als 60 Jahre und nicht vorerkrankt. Die ĂŒber 60-JĂ€hrigen hatten meist chronische Vorerkrankungen, hĂ€tten aber nach zwei Studien durchschnittlich neun bis 13 Lebensjahre lĂ€nger leben können. Nach Obduktionen in Berlin war das Virus auch bei vielen Ălteren ausschlaggebende Todesursache.
âą Die Todeszahlen waren nicht ĂŒberhöht: Das RKI vermutete bundesweit eher mehr als weniger Coronatote, weil seine Statistik nur auf das Coronavirus getestete Tote erfasste.
âą Das RKI registrierte 20 % schwere FĂ€lle, davon 6 % mit lebensbedrohlichen VerlĂ€ufen. Auch die 80 % der âmild bis moderatâ eingestuften FĂ€lle waren keineswegs symptomfrei. Dies widerlegte Bhakdis unbelegte Behauptung, nur 0,5 % der in Deutschland Infizierten zeigten schwere Symptome.
âą Die MaĂnahmen wirkten: Nach Modellrechnungen des Max-Planck-Instituts stoppte besonders die Kontaktsperre ab 22. MĂ€rz 2020 den exponentiellen Infektionsanstieg effektiv. FĂŒr die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina waren die MaĂnahmen daher im Mai 2020 âdringend erforderlichâ und passten zur Bedrohungslage. Soforthilfen und umfangreiche Finanzpakete milderten die ökonomischen Pandemiefolgen. Eine fortlaufende Anpassung der MaĂnahmen an die Entwicklung, nicht aber ihre völlige Aufhebung war daher weitgehend Konsens.
âą Die leichte Ăbersterblichkeit ab April 2020, nach dem Ende der jĂ€hrlichen Grippewelle, legte einen Zusammenhang mit der Coronapandemie nahe. Dass sie in Deutschland im europĂ€ischen Vergleich gering ausfiel, konnte mit den frĂŒhen und relativ strengen deutschen CoronamaĂnahmen zusammenhĂ€ngen. Laut dem Statistischen Bundesamt war dies aber erst Ende 2020 genauer feststellbar.
Nur der Einfluss von Luftschadstoffen auf COVID-19-KrankheitsverlĂ€ufe wurde durch einige Studien bis Mai 2020 wahrscheinlicher, so auch fĂŒr betroffene Gebiete in Deutschland.cite-ref-swr-faktencheck-26-1[26]
Bis Juli 2020 wurden Bhakdis Thesen laut der Medical Tribune von einer âĂŒbergroĂen Mehrheit der Expertenâ als unwissenschaftlich eingestuft.cite-ref-33[33]
Schon 2016 hatten Bhakdi und ReiĂ ihr gemeinsames Buch Schreckgespenst Infektionen â Mythen, Wahn und Wirklichkeit veröffentlicht.cite-ref-34[34] Im Juni 2020 folgte ihr Buch Corona Fehlalarm?, das als âSachbuch Taschenbuchâ rasch den ersten Rang der Spiegel-Bestsellerliste erreichte.cite-ref-35[35] Im August 2020 gaben die Autoren den Kieler Nachrichten dazu ein ausfĂŒhrliches Interview.cite-ref-36[36]
Mitte August 2020 fĂŒhrte Bhakdi mit dem Epidemiologen und Mathematiker Ulrich Mansmann (Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen) ein öffentliches StreitgesprĂ€ch. Darin behauptete Bhakdi erneut, die Pandemie sei gemessen an den Todeszahlen nicht gefĂ€hrlicher als eine gewöhnliche Grippewelle. Mansmann verwies dagegen auf die möglichen SpĂ€tfolgen des Coronavirus, etwa OrganschĂ€den auch bei milden Krankheitssymptomen. Der anfĂ€ngliche Lockdown sei durch die damalige Reproduktionszahl des Virus begrĂŒndet gewesen. Bhakdi stimmte zu, vermisste aber eine regelmĂ€Ăige ĂberprĂŒfung dieser ersten MaĂnahmen und forderte, sie ab sofort zu beenden. Er behauptete, es habe nie einen exponentiellen Anstieg an Neuinfektionen gegeben. Mansmann erwiderte, weil die Tests stark vermehrt wurden, widerspreche der relative Anstieg positiver Testergebnisse dem exponentiellen Wachstum nicht. Die Unterscheidung von an und mit COVID-19 Gestorbenen sei irrefĂŒhrend, da das Virus direkte Todesursachen wie Herz-Kreislauf-Versagen indirekt verursachen könne. Bhakdi blieb dabei, dass nur FĂ€lle, bei denen das Virus als ausschlaggebend obduziert werde, als Coronatote gezĂ€hlt werden dĂŒrften. Mansmann zufolge wurden die Todesursachen zumindest in Bayern genau untersucht und keine infizierten Unfallopfer in die Statistik aufgenommen. Er schĂ€tzte die Fallsterblichkeit bei einer Dunkelziffer von etwa fĂŒnfmal mehr als den offiziell registrierten Infizierten auf 0,8 Prozent. Bhakdi schĂ€tzte sie dagegen auf nur 0,1 bis 0,3 Prozent, weil die anfangs oft falschen positiven Testergebnisse nun entfallen, die Zahl der âechtenâ Infektionen aber laufend gesunken sei. Er folgerte, die Pandemie gehe oder sei bereits zu Ende. Der Eindruck einer zweiten Welle liege nur an vermehrten Tests. Erst ab November 2020 werde es den gewöhnlichen Anstieg wie bei jeder Grippewelle geben. Daher seien die bisherigen MaĂnahmen nicht sinnvoll gewesen. Mansmann sah die AHA-Regeln weiter als sinnvoll an, hielt aber wie Bhakdi eine allgemeine Maskenpflicht auch fĂŒr Schulkinder fĂŒr sinnlos.cite-ref-37[37]
Von Mitte September bis Mitte Oktober 2020 verdoppelten sich die Zahlen der Coronakranken auf deutschen Intensivstationen. Bhakdi behauptete jedoch, dort lĂ€gen so wenige COVID-19-Kranke, dass die Coronapandemie als beendet anzusehen sei. Den starken Anstieg der IntensivfĂ€lle fĂŒhrte er auf Influenzaviren und unzuverlĂ€ssige bzw. falsche PCR-Tests zurĂŒck. Daher lehnte er strengere EindĂ€mmungsmaĂnahmen ab. Mehrere Virologen wiesen diese Thesen als unhaltbar zurĂŒck. Laut Uwe Gerd Liebert (UniversitĂ€tsklinikum Leipzig) ist das PCR-Testverfahren âextrem zuverlĂ€ssigâ: Es identifiziere einzigartige Abschnitte der viralen RNS und schlieĂe Kreuzreaktionen mit saisonalen anderen Coronaviren weitestgehend aus. Jedes positive Testergebnis werde im Labor regulĂ€r doppelt kontrolliert. Bei unsicherem Ergebnis werde ein neuer Abstrich genommen; dies sei in seinem Labor erst bei 25 von 70.000 Tests (weniger als 0,04 %) vorgekommen. Zudem habe die Zweitprobe das positive Ergebnis meist bestĂ€tigt. Corinna Pietsch (UniversitĂ€tsklinikum Leipzig) verwies zudem auf Gegentestungen bei endemischer Influenza, die keine falsch positiven Ergebnisse ergaben. Schlechte Abstriche wĂŒrden eher ein falsches negatives Testergebnis bringen. Pietsch und die Virologin Isabella Eckerle erklĂ€rten: Patienten kĂ€men erst Wochen nach ihrer Infektion auf Intensivstationen, so dass nach deren Belegung getroffene MaĂnahmen zu spĂ€t erfolgen wĂŒrden.cite-ref-38[38] Auf Kritik stieĂ, dass der Faktencheck erst nach einem Interview mit Bhakdi erschien, in dem er seine falschen Thesen unwidersprochen Ă€uĂern konnte.cite-ref-39[39]
Corona unmasked
In seinem und ReiĂâ Buch Corona unmasked (Juni 2021) bestritt Bhakdi weiterhin die âzweite Welleâ an CoronafĂ€llen in Deutschland. Sein Beleg, eine Grafik der positiven Testergebnisse nach Kalenderwochen, reichte aber nur bis zur letzten Augustwoche 2020. Den folgenden rapiden Anstieg in der zweiten und dritten Welle lieĂ er weg und korrigierte diesen Fehler bis zum Erscheinen des Buchs nicht, obwohl andere Grafiken darin bis Ende 2020 oder MĂ€rz 2021 reichen. SpĂ€ter erwĂ€hnt das Buch explizit die zweite Welle, behauptet aber, sie habe erst im Oktober 2020 begonnen. Den tatsĂ€chlichen Beginn im Juli 2020 fĂŒhrte Bhakdi auf fehlerhafte PCR-Tests zurĂŒck. FĂŒr vermehrte TodesfĂ€lle in der dritten Welle machte er die Impfungen verantwortlich: Staaten mit besonders hohen Impfquoten hĂ€tten im Staatenvergleich auch âbesonders hohe SterbefĂ€lleâ. Auch hier lieĂ er Statistiken weg, die ein Absinken der Sterberaten in Staaten mit hoher Impfquote zeigen. Ferner behauptete er tatsachenwidrig, es habe historisch bei keiner Epidemie oder Pandemie auĂer der Spanischen Grippe 1918 eine âzweite Welleâ gegeben. Diese Falschangaben stellte der Epidemiologe Joseph Kuhn in seiner Rezension fest.cite-ref-40[40]
Das Buch beschreibt Mund-Nasen-Schutz (Masken) und Impfungen als sinnlos und gesundheitsschĂ€dlich, verharmlost die Pandemie weiter und bezichtigt Fachwissenschaftler und Gesundheitsorganisationen des LĂŒgens und BetrĂŒgens. Mit Paul Schreyer fĂŒhrte Bhakdi den Anstieg der Infizierten auf mehr Tests zurĂŒck und bestritt, dass Masken die Ausbreitung von COVID-19 verhindern. Dazu berief er sich auf den Kinderarzt Eugen Janzen. Dieser hatte behauptet, er habe an 20 ausgewĂ€hlten Kindern âschwere, anhaltende und möglicherweise irreversible SchĂ€denâ durch Masken festgestellt, und die Maskenpflicht mit einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit verglichen. Bhakdi kritisierte die schnellen Zulassungsverfahren fĂŒr Coronaimpfstoffe und die Zahlenangaben des PEI fĂŒr Coronatote, belegte aber deren angebliche MĂ€ngel nicht. Das Buch wurde als wissenschaftsfeindlich, Bhakdis Quellennutzung als Cherry Picking, seine Behauptung, er sei unpolitisch, als unglaubwĂŒrdig kritisiert.cite-ref-41[41]
Zu Impfstoffen
Im November 2020 behauptete Bhakdi mit Berufung auf die Studie von John Ioannidis erneut, von unter 70-jĂ€hrigen Infizierten wĂŒrden wahrscheinlich nur etwa 0,05 Prozent (fĂŒnf von 10.000) am Virus sterben. Ein Impfstoff könne diese geringe Sterbewahrscheinlichkeit nicht weiter verringern. Laut einem Faktencheck legte er damit fĂ€lschlich eine allgemeingĂŒltige Infektionssterblichkeit (Infection Fatality Rate, IFR) nahe und lieĂ Ioannidisâ Hinweis weg, dass sein Durchschnittswert wenig ĂŒber die reale IFR aussagt, die sich je nach den betroffenen Regionen und Gruppen stark unterscheide. Bis dahin hatten wissenschaftliche Berechnungen fĂŒr Deutschland eine zehnfach höhere IFR von 0,5 bis 1 Prozent ermittelt. Eine weltweite Studie vom Dezember 2020 bezifferte die wahrscheinliche IFR fĂŒr 55-JĂ€hrige auf 0,4, fĂŒr 65-JĂ€hrige auf 1,4, fĂŒr 75-JĂ€hrige auf 4,6 und fĂŒr 85-JĂ€hrige auf 15 Prozent. Ferner unterschlug Bhakdi, dass Impfungen weitgehend auch vor schweren bis tödlichen KrankheitsverlĂ€ufen und LangzeitschĂ€den (Long COVID) schĂŒtzen sowie die Weiterverbreitung des Virus verringern, also auch bei einem sehr geringen IFR-Wert Sinn haben.cite-ref-42[42]
Am 6. Dezember 2020 behauptete Bhakdi im österreichischen Sender Servus TV, der âgenbasierteâ Impfstoff gegen COVID-19 (gemeint war Tozinameran von Biontech und Pfizer) sei gefĂ€hrlich und löse ârecht schwereâ Nebenwirkungen aus. âDie HĂ€lfteâ der damit in GroĂbritannien geimpften jungen, gesunden Menschen sei an âFieber, SchĂŒttelfrost, Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, Kopfschmerzenâ erkrankt. Bei Ă€lteren vorerkrankten Menschen seien noch schlimmere Wirkungen zu erwarten. Die Impfungen in GroĂbritannien begannen jedoch erst zwei Tage nach Bhakdis Behauptung. Die Phase-3-Studie zur Impfstoffzulassung stellte nach Herstellerangaben âkeine schwerwiegenden Nebenwirkungenâ fest. Am 10. Dezember 2020 gab The New England Journal of Medicine Details der Zulassungstests bekannt: Nach der zweiten Impfdosis waren Fieber bei 16 %, Muskelschmerzen bei 37 % und SchĂŒttelfrost bei 35 % der bis 55 Jahre alten, noch viel weniger bei Ă€lteren Probanden aufgetreten. Nur bei Kopfschmerzen (52 % der jĂŒngeren Teilnehmer) traf Bhakdis Angabe ungefĂ€hr zu. Ein Faktencheckteam der dpa bewertete seine Aussagen zu Nebenwirkungen daher als âungenau und gröĂtenteils ĂŒbertriebenâ.cite-ref-43[43]
Nach weiteren Studien waren solche Nebenwirkungen meist schwach bis mĂ€Ăig und von kurzer Dauer. Laut dem Immunologen Christian Bogdan und dem Infektionsbiologen Stefan H. E. Kaufmann traten sie zwar hĂ€ufiger als bei vielen etablierten Impfstoffen auf, waren aber unbedenklich. Dies prĂŒfte das PEI nach der Zulassung in der EU weiter. â Ferner behauptete Bhakdi:
âą Der Impfstoff sei an keinen Menschen aus Risikogruppen getestet worden. Dies war falsch: Der Impfstoff war nach Angaben der EMA an rund 45.000 Personen getestet worden, davon 18.000 ĂŒber 65 Jahre alt und viele mit chronischen Lungen- und Herzerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Ăbergewicht und Allergien.
âą Die Impfung löse âganz schlimme allergische Reaktionenâ aus. Das betraf bis dahin von 140.000 Briten nur zwei, die schon frĂŒher allergisch auf Impfungen reagiert hatten. Darauf nahmen die britischen Behörden solche Allergiker von der COVID-19-Impfung aus. Der Infektiologe Leif Erik Sander sah kein allgemeines Impfrisiko fĂŒr Allergiker.
âą Die Antikörperbildung könne spĂ€tere Infektionen mit anderen Viren verstĂ€rken und etwa bei Influenza zu einem âexplosionsartigen Verlaufâ fĂŒhren. Sie könne zudem eine gefĂ€hrliche Autoimmunerkrankung auslösen. Laut dem PEI sind diese Wirkungen zwar theoretisch möglich und werden erforscht, kamen aber praktisch bislang weder im Tierversuch noch bei geimpften Personen noch bei anderen mRNA-Impfstoffkandidaten vor.
âą Der mRNA-Impfstoff mache Frauen unfruchtbar und schĂ€dige Schwangere oder ihren Embryo. Auch dafĂŒr hatte das PEI weder in prĂ€klinischen und klinischen Untersuchungen noch in Tierversuchen Hinweise gefunden. Biontech kĂŒndigte fĂŒr 2021 weitere Studien mit Schwangeren an.cite-ref-44[44] Correctiv fand fĂŒr die Unfruchtbarkeitsthese keinerlei Belege.cite-ref-45[45]
In einem Video vom August 2021 behauptete Bhakdi, die Coronaimpfungen seien wegen der durch Àltere Coronaviren erworbenen GrundimmunitÀt der meisten Menschen unnötig. Dabei berief er sich auf eine dÀnische Studie an 200 Probanden, deren Ergebnisse er jedoch laut einem Faktencheck fehldeutete.cite-ref-46[46]
Im Juli 2021 widersprach Bhakdi GerĂŒchten, wonach Geimpfte das Spikeprotein des Virus an Nichtgeimpfte weitergeben und bei ihnen schwere Krankheiten und Defekte auslösen könnten (âImpfstoff-Sheddingâ).cite-ref-47[47]
In einem Interview mit Report24 vom 14. Oktober 2021 behauptete Bhakdi, die Spikeproteine der COVID-19-Impfstoffe verursachten Angriffe des Immunsystems auf den eigenen Körper, die Kontroll-Lymphozyten deaktivieren. So könnten sich Herpes-Viren, das Epstein-Barr-Virus (EBV) und Krebszellen leichter im Körper ausbreiten und Hirn-, Herzmuskel- oder LeberentzĂŒndungen, Pneumonien sowie neue oder erneute Krebserkrankungen verursachen. Belege dafĂŒr nannte er keine; Nachfragen von Faktencheckern dazu beantwortete er nicht. Der Pathologe David Walt (Harvard Medicine School) erklĂ€rte, die Spikes des Sars-CoV-2-Virus seien bei schweren Infektionen toxisch; das durch den Impfstoff erzeugte Spikeprotein dagegen sei harmlos. Es wird nur lokal produziert, kann sich nicht vermehren und wird rasch wieder abgebaut. Bei den allermeisten geimpften Personen wĂŒrden nur unvollstĂ€ndige Spikes gemessen, der Impfstoff wirke also wie beabsichtigt und sei âunglaublich sicherâ. Laut dem PEI ergab sich fĂŒr Herpes Zostern âkein Risikosignal innerhalb von 14 bzw. 30 Tagen nach allen vier zugelassenen COVID-19-Impfstoffenâ. Der Virologe Benedikt Kaufer (Freie UniversitĂ€t Berlin) betonte, trotz Milliarden Impfungen gebe es keinen Hinweis auf vermehrte Reaktivierung der Herpes-simplex-Viren und des EBV. Auch Stefan H. E. Kaufmann (Max-Planck-Institut fĂŒr Infektionsbiologie) erklĂ€rte, weder in den klinischen Zulassungsstudien noch in gemeldeten Nebenwirkungen weltweit seien ihm AusbrĂŒche durch Herpes-Viren oder EBV bekannt. Die sehr seltenen HerzmuskelentzĂŒndungen und Sinusvenenthrombosen nach der Impfung seien höchstwahrscheinlich nicht auf EBV zurĂŒckzufĂŒhren. Die Krebsforscherin Marie von Lilienfeld-Toal (Friedrich-Schiller-UniversitĂ€t Jena) nannte Bhakdis Behauptungen zu Krebsfolgen âUnsinnâ. Belegt sei vielmehr, dass Tozinameran auch fĂŒr Krebspatienten sicher ist und die doppelte Impfung ihre Ăberlebenschancen sogar erhöht. Das Virus dagegen gefĂ€hrdet Krebspatienten besonders. Daher empfehlen das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) und die Deutsche Gesellschaft fĂŒr HĂ€matologie und Medizinische Onkologie (DGHO) eine COVID-19-Impfung auch fĂŒr Krebserkrankte und betonen, dass alle zugelassenen Impfstoffe fĂŒr sie sicher sind. Sie lösten weder einen KrebsrĂŒckfall noch schwere Autoimmunerkrankungen noch Unfruchtbarkeit aus und verschlimmerten diese auch nicht. Laut einer dkfz-Sprecherin haben zahllose Studien zu Impffolgen âkeinerlei Anzeichen einer sogenannten Lymphopenieâ gezeigt. Vielmehr aktiviere die Impfung verschiedene Arten von Lymphozyten, andernfalls stelle sich die angestrebte Impfwirkung nicht ein. FĂŒr eine völlige Hemmung des Immunsystems seien âkeine gestiegenen Fallzahlen im Zusammenhang mit der Impfung bekanntâ. Das NiederlĂ€ndische Krebs-Institut hatte schon im August 2021 betont, es seien keine Daten fĂŒr einen negativen Einfluss der COVID-Impfung auf eine Immunantwort gegen Krebszellen bekannt, und dieser sei auch nicht zu vermuten. Die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BZgA) und das National Cancer Institute in den USA bestĂ€tigten das auf ihren Webseiten.cite-ref-48[48]
In einem Video vom 7. Dezember 2021 behauptete Bhakdi, die COVID-19-Impfstoffe seien aufgrund gefĂ€lschter Studiendaten zugelassen worden, ihre Wirksamkeit sei nicht bewiesen und sie seien völlig unwirksam. Dazu berief er sich auf einen Artikel im British Medical Journal vom 2. November 2021, in dem eine ehemalige Mitarbeiterin der Ventavia Research Group angab, ihre Firma habe bei der Phase-3-Studie zum Impfstoff von Biontech/Pfizer Daten gefĂ€lscht und Nebenwirkungen nachlĂ€ssig verfolgt. Correctiv e. V. prĂŒfte dies und bewertete Bhakdis Thesen als falsch:
âą Die Fehler der Studie von Ventavia betrafen laut Experten nur Daten zu rund 1000 (2,3 Prozent) der etwa 44.000 Teilnehmer und verĂ€nderten nicht das Gesamtergebnis der Zulassungsstudien von Biontech/Pfizer. Dies bestĂ€tigten Peter Gottfried Kremsner, Direktor des Instituts fĂŒr Tropenmedizin an der UniversitĂ€t TĂŒbingen, und Oliver A. Cornely, klinischer Infektiologe am UniversitĂ€tsklinikum Köln.
âą Mehrere unabhĂ€ngige Nachfolgestudien in verschiedenen Staaten wiesen nach, dass diese Impfstoffe wirksam vor schweren VerlĂ€ufen und Tod durch COVID-19 schĂŒtzen. Anfang 2021 ergab eine Studie zu rund 600.000 geimpften Israelis, dass der Impfstoff zu 94 Prozent symptomatische COVID-19-Erkrankungen verhinderte. Im Oktober 2021 zeigte eine in der Fachzeitschrift The Lancet publizierte Studie, dass die doppelte Biontech/Pfizer-Impfung noch bis zu sechs Monate danach bei 93 Prozent von 3,4 Millionen infizierten US-BĂŒrgern Krankenhauseinweisungen verhĂŒtete. Im Dezember 2021 schĂŒtzte die Impfung laut dem Robert Koch-Institut alle geimpften erwachsenen Deutschen noch zu 68 Prozent vor einer symptomatischen COVID-19-Erkrankung, zu mehr als 80 Prozent vor schweren oder tödlichen VerlĂ€ufen.cite-ref-49[49]
Am 22. Dezember 2021 veröffentlichte Bhakdi auf der Website Rumble ein Video mit dem Titel âDer Beweis ist da: Impfung zerstört Immunsystemâ. Darin behauptete er, es gebe Fakten, wonach alle genbasierten Impfstoffe (mRNA-Vakzine) das körpereigene Immunsystem zerstören. Dabei berief er sich auf Proben aus 15 Obduktionen, die der Pathologe im Ruhestand Arne Burkhardt untersucht habe. Dieser hatte zuvor mehrfach ImpfschĂ€den behauptet und Anfang Dezember bei einer Videokonferenz einige Folien dazu prĂ€sentiert. Dabei blieben Herkunft und Auswahl seiner Daten, Methodik, Probanden und Zeitraum der angeblichen Untersuchung unklar. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Pathologie hatte sich schon im Herbst von Burkhardts Behauptungen distanziert: Die prĂ€sentierten Daten seien nicht wissenschaftlich fundiert. Im Dezember bekrĂ€ftigte sie, seine Ergebnisse könnten wegen der geringen Fallzahl nicht reprĂ€sentativ sein; das sei auch ohne pathologisches Wissen offensichtlich. Das PEI berichtete am 23. Dezember 2021, die Zahl der TodesfĂ€lle nach einer Coronaimpfung zeige fĂŒr keinen der bisher in Deutschland eingesetzten Impfstoffe ein Risikosignal, auch nicht fĂŒr die Booster-Impfung. Bhakdi dagegen gab Burkhardts Angaben als ultimativen Beweis aus, der jede weitere Forschung zu Impfrisiken erĂŒbrige. Er fuhr fort: âSie töten unsere Kinderâ. Er werde âaus diesem verdammten Landâ flĂŒchten, damit auf seinen vierjĂ€hrigen Sohn nicht âgeschossenâ werde. Wegen solcher Aussagen galt er als Stichwortgeber von Coronaleugnern.cite-ref-50[50]
Der Immunologe Carsten Watzl bezeichnete Bhakdis Behauptungen schwerer ImpfschĂ€den als âunwissenschaftlichen Unsinnâ:
âą Bhakdi stelle Antikörper im Blut und in den SchleimhĂ€uten fĂ€lschlich als völlig unabhĂ€ngige Systeme dar und behaupte, die Impfung in den Oberarm erzeuge gar keine Antikörper in den SchleimhĂ€uten und sei daher wirkungslos. TatsĂ€chlich hĂ€tten die Zulassungsverfahren und die Auswertungen von Impfdaten aus vielen Staaten bewiesen, dass die Impfstoffe sehr wohl vor einer Infektion und vor einem schweren Verlauf schĂŒtzten.
⹠Bhakdi behaupte, durch die Impfstoffe gelangten Spikeproteine in die Lymphknoten und erzeugten dort gefÀhrliche Lymphozyten sowie Autoimmunreaktionen. Laut Watzl kann dagegen eine Immunreaktion nur in den Lymphknoten stimuliert werden. Bei einer Infektion der Lunge gelange mit dem Virus auch das Spikeprotein in die Lymphknoten.
âą Bhakdi behaupte auĂerdem, der Impfstoff gelange in den ganzen Körper und in die Organe und richte dort fatale SchĂ€den an. Das sei immunologisch unhaltbar. Die Spuren und BruchstĂŒcke des Spikeproteins im Blut seien wenige Tage nach der Impfung so gering, dass sie keine biologischen Auswirkungen haben könnten. Man könne gar nicht so viel Impfstoff spritzen, dass er in den ganzen Körper gelange.
âą Die in Bhakdis Video prĂ€sentierten Bilder von augenscheinlich geschĂ€digten Organen und GefĂ€Ăen seien âkein wissenschaftlicher Beweisâ. Ihre Herkunft sei völlig unklar, ebenso die Todesursache der zugehörigen Person. Ein Zusammenhang zwischen den gezeigten Infiltrationen und Impfungen sei âreine Spekulationâ. Andere Ursachen seien weit wahrscheinlicher. Bhakdis AusfĂŒhrungen dazu seien immunologisch âkaum nachzuvollziehen und teilweise wirrâ.
⹠Bhakdis Behauptung, dass durch die Impfung viele Menschen schwer erkrankt seien, lasse sich empirisch nicht beweisen und beruhe auf falschen PrÀmissen.cite-ref-51[51]
Im Januar 2023 behauptete Bhakdi in einem weit verbreiteten Video-Interview, Thailands Prinzessin und mögliche Thronfolgerin Bajrakitiyabha sei wegen einer Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff von Pfizer erkrankt und kurz danach ins Koma gefallen. Daher habe er den höchsten Gesundheitsberatern von Thailands Regierung empfohlen, die KaufvertrĂ€ge mit Pfizer zu kĂŒndigen und die Impfkampagne zu beenden.cite-ref-thaisun9feb2023-52-0[52] Zudem rief er Impfgegner Thailands dazu auf, eine Klage gegen Pfizer einzureichen. Diese Stelle wurde spĂ€ter aus seinem Originalinterview entfernt, um den Eindruck zu erwecken, er habe direkt mit dem Königshaus gesprochen. Die Webseite Journalistenwatch verbreitete Bhakdis Behauptungen im deutschsprachigen Raum.cite-ref-53[53] Am 3. Februar 2023 wies Thailands Regierung Bhakdis Angaben auf ihrer Facebookseite als âFake Newsâ zurĂŒck und forderte, sie nicht zu verbreiten. Der Impfstoff sei sicher und werde weiterhin allgemein empfohlen. Die Regierung stelle die laufenden LiefervertrĂ€ge mit Pfizer oder irgendeinem anderen Hersteller von COVID-19-Impfstoffen nicht in Frage und habe nicht angeordnet, die Impfungen zu stoppen oder zu bremsen. Nach Regierungsangaben hatte eine Mycoplasma-Infektion den Kollaps der Prinzessin verursacht. Diese Infektion hat laut Experten keinen Bezug zu COVID-19-Impfungen.cite-ref-54[54] Bhakdis thailĂ€ndische GesprĂ€chspartner waren nach Medienberichten keine Berater des Königshauses, sondern Impfgegner. Das Verbreiten von Fake-News zu COVID-19 und Impfungen ist in Thailand mit bis zu fĂŒnf Jahren, bei das Königshaus betreffenden Falschmeldungen mit bis zu 15 Jahren GefĂ€ngnis strafbar.cite-ref-thaisun9feb2023-52-1[52]
Im April 2024 behauptete Bhakdi öffentlich, die mRNA-Impfungen seien ein âsatanisches Programmâ, das Millionen Menschen geschĂ€digt und verstĂŒmmelt habe. Die WHO setze darauf und bedrohe damit die Menschheit.cite-ref-standard12apr24-55-0[55] Eine globale âGesundheitsdiktaturâ sei seit hundert Jahren in Planung. Die Pockenimpfung habe nie gewirkt. Auch die Polio-Impfung sei âwahrscheinlich eine RiesenlĂŒgeâ. Gegen Virenerkrankungen könne man nicht impfen.cite-ref-falter18apr24-56-0[56]
Im Januar 2025 rĂ€umte Bhakdi in einem Interview mit einer Wiener Esoterikerin ein, dass die von ihm beschworenen schweren FolgeschĂ€den der COVID-19-Impfungen (Zerstörung des Immunsystems, Krebs etc.) weitgehend ausgeblieben waren. Er erklĂ€rte dies damit, dass bei 60 oder 70 Prozent der Impfungen die (angeblichen) âGeneâ (Spikeproteine) vor Erreichen der menschlichen Zellen aus ihrer âVerpackungâ (ihrer Einbettung in der verabreichten Dosis) herausgefallen seien. Wie und wohin, erklĂ€rte er nicht. Auf RĂŒckfragen, woran eine geimpfte Person das merken könne, antwortete er, das wisse er nicht.cite-ref-57[57]
Politische AktivitÀten
Im April/Mai 2020 beriet Bhakdi einen Mitarbeiter der Abteilung KM4 (Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz â Schutz kritischer Infrastrukturen) im deutschen Bundesministerium des Innern beim Erarbeiten eines Positionspapiers.cite-ref-58[58] Der Oberregierungsrat Stephan Kohn veröffentlichte es auf amtlichem Briefpapier. Das Bundesministerium distanzierte sich von Kohns âPrivatmeinungâ und suspendierte ihn.cite-ref-59[59]
Im Mai 2020 grĂŒndeten Bhakdi, ReiĂ, die Ărzte Wolfgang Wodarg und Bodo Schiffmann sowie der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg den Verein Mediziner und Wissenschaftler fĂŒr Gesundheit, Freiheit und Demokratie e. V. (MWGFD). Bhakdi ĂŒbernahm den Vorsitz. Die Mitglieder halten das Sars-CoV2-Virus fĂŒr relativ ungefĂ€hrlich und fordern, alle SchutzmaĂnahmen dagegen zu beenden, obwohl wissenschaftliche Studien viele Thesen der GrĂŒnder bis dahin widerlegt hatten. Im Oktober 2020 entzog das Finanzamt Passau dem Verein die vier Monate zuvor gewĂ€hrte GemeinnĂŒtzigkeit. Es nannte laut Bhakdi als Grund die Vereinsagenda, âdie Politik und die politischen Entscheidungen zu untergraben, (âŠ) und Leute aufzurufen, gegen bestehende Gesetze und Regeln zu verstoĂen wie gegen die Maskenpflicht.â Bis September 2020 stand eine Liste mit Ărzten zur âUnterstĂŒtzung bei Maskenbefreiungsattestenâ auf der Vereinswebseite.cite-ref-60[60]
Im Sommer 2020 trafen sich Bhakdi, Stefan Homburg und weitere Vereinsvertreter mit Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) zu einem als âwissenschaftlicher Runder Tischâ deklarierten vertraulichen GesprĂ€ch. Dessen Inhalte gab die sĂ€chsische Staatskanzlei nicht bekannt, weil man dazu Stillschweigen vereinbart habe.cite-ref-61[61]
Nach Recherchen von Correctiv beteiligte sich Bhakdis Verein an einer bundesweiten Desinformationskampagne, die Gruppen wie âEltern stehen aufâ, âĂrzte fĂŒr AufklĂ€rungâ und âFreiheitsbotenâ ab September 2020 ĂŒber den Messengerdienst Telegram organisierten. Sie lieĂen FlugblĂ€tter in Millionenauflage drucken und von zehntausenden Helfern bundesweit verteilen, um die staatlichen CoronamaĂnahmen mit Falschangaben zu untergraben, etwa einer angeblichen SchĂ€digung von Kindern durch Mundnasenschutz. Bhakdis Verein vermittelte Kontakte zu Ărzten und Heilpraktikern, die Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausstellten.cite-ref-62[62] Bis Februar 2021 sammelte der Verein nach Eigenangaben mehr als 400.000 Euro Spenden. Davon finanzierte er die FlugblĂ€tter der âFreiheitsbotenâ mit. Diese enthielten veraltete, irrefĂŒhrende, falsche und gefĂ€hrliche Behauptungen ĂŒber COVID-19, etwa ĂŒber symptomlose VerlĂ€ufe, KrankenhausschlieĂungen und angebliche Krankheitsvorsorge. Bhakdi, Stefan Homburg und der Frauenarzt Ronald Weikl waren Unterzeichner des Flugblatts âKrankenhaussterben trotz Pandemie?â.cite-ref-63[63]
Laut seiner Homepage beansprucht der Verein âWissenschaftlichkeit und Evidenzâ fĂŒr seine Positionen, ruft aber zugleich dazu auf, âemotional berĂŒhrende reale Geschichten von eigenen leidvollen Erfahrungenâ mit CovidmaĂnahmen einzusenden, um viele Menschen auch darĂŒber âzum Umdenken zu bewegenâ. Ferner ruft er alle Ărzte dazu auf, mit Attesten möglichst viele, auch nicht vorerkrankte und besonders junge Menschen von der âkomplett unsinnigen Maskenpflichtâ zu befreien. Dies begrĂŒndet er mit schon widerlegten und unbewiesenen Angaben. Der Medizinrechtler Jens PrĂŒtting kritisierte den Aufruf als irrefĂŒhrend und warnte ihn befolgende Ărzte vor rechtlichen Konsequenzen. Die LandesĂ€rztekammer Baden-WĂŒrttemberg betonte die Ă€rztliche Sorgfaltspflicht. Im Juni 2021 forderte eine Vereinsanzeige Bundes- und Landesregierungen auf, âsĂ€mtliche noch bestehenden GrundrechtseinschrĂ€nkungen sofort ersatzlos aufzugebenâ, und zitierte das Widerstandsrecht nach Artikel 20 Abs. 4 GG. Medienanfragen, ob dies als Aufruf zum Widerstand zu verstehen sei, beantwortete der Verein nicht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lehnte den Abdruck der Anzeige ab. Die Welt veröffentlichte eine Version ohne das Zitat. Bis Mitte Juli 2021 behauptete der Verein 19.000 namentlich ungenannte UnterstĂŒtzer. Dann erklĂ€rte er, er nehme nur 25 UnterstĂŒtzer auf, darunter 20 bekannte Mitglieder. Einige davon boten unwissenschaftliche Therapien gegen COVID-19 und andere Coronaviren an, etwa die lebensgefĂ€hrliche Einnahme oder Injektion von Chlordioxid. Auf Anfragen dazu erklĂ€rte der Verein dies zur Privatsache der Mitglieder.cite-ref-64[64]
Der Verein behielt seine Ablehnung der Covidimpfstoffe trotz deren Erfolgen bei und behauptete noch im Februar 2025, sie verursachten âgenetische Transfektionenâ, deren âunĂŒbersehbare SchĂ€den durch den Tarnbegriff Long-Covid kaschiertâ wĂŒrden. Der Verein publiziert solche wissenschaftlich widerlegten Thesen nur in Youtube-Videos, BlogaufsĂ€tzen und auf Webseiten von Verschwörungsideologen. Der erste Vereinsvorsitzende Harald Walach befasst sich in rund 300 Publikationen vorrangig mit spirituellen Heilmethoden, Alternativmedizin, Homöopathie, Hellsehen, dem Kontakt zu Verstorbenen und Evidenzkritik. Der Verein veranstaltet fĂŒr seine AnhĂ€nger regelmĂ€Ăig âPressesymposienâ ohne kritische Nachfragen auf Telegram, etwa zur angeblichen âgesundheitlichen Katastropheâ durch mRNA-Impfungen und âtoxischen PlĂ€nenâ der WHO.cite-ref-hmmai25-65-0[65]
Im Mai 2021 lieĂen sich Bhakdi und Karina ReiĂ in Nordrhein-Westfalen als Kandidaten zur Bundestagswahl 2021 fĂŒr die im Juli 2020 gegrĂŒndete Basisdemokratische Partei Deutschland aufstellen. Diese steht den âQuerdenkernâ nahe, hat Kontakte zur AfD und stellte vor allem bekannte Gegner der CoronamaĂnahmen als Kandidaten auf. Wegen ihrer Hauptforderung, die staatliche âImpfkampagneâ sofort zu beenden, gilt sie als âAnti-Impf-Parteiâ.cite-ref-66[66] Bhakdi forderte als Bundestagskandidat, man mĂŒsse âdie Corona-Viren laufen lassen in der Bevölkerungâ; so könnten die Menschen âeine Koexistenz mit diesen Viren aufbauenâ.cite-ref-67[67]
Im Juli 2021 trat Bhakdi neben Wolfgang Wodarg mit einer Videobotschaft bei der â2. Konferenz fĂŒr den Friedenâ des Rechtsesoterikers Erich Hambach in MĂŒnchen auf.cite-ref-68[68]
Im Dezember 2021 veröffentlichte Bhakdis Verein MWGFD ein als âHaftungsinformationâ deklariertes Schreiben, das an Ărzte, Leiter von GesundheitsĂ€mtern, Schulen, Gemeinden und politische EntscheidungstrĂ€ger versandt werden sollte. Darin wurden bekannte Falschbehauptungen wiederholt, die Coronaimpfstoffe seien âunnötigâ, âunwirksamâ und âgefĂ€hrlichâ; folglich könnten Ărzte fĂŒr Impfungen ihrer Patienten damit haftbar gemacht werden. Ein Passauer Frauenarzt, der rund 1000 falsche Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausgestellt haben soll, versandte den Text an Kollegen in der Region MĂŒnchen. Die KassenĂ€rztliche Vereinigung Bayerns widersprach: Kein Arzt hafte, der ein zugelassenes Medikament vorschriftsgemÀà anwende. Eher könne als âgrober Behandlungsfehlerâ gewertet werden, wenn ein Arzt einen impfwilligen Patienten nicht impft und diesem daraus ein Schaden entsteht.cite-ref-69[69]
Bhakdi hat Kontakte zur Impfgegnerpartei MFGâĂsterreich Menschen â Freiheit â Grundrechte und trat öfter als Redner bei ihren Veranstaltungen auf, so in Wien am 27. Februar 2022.cite-ref-70[70] Im November 2023 trat er bei einem âCoronasymposiumâ der AfD im deutschen Bundestag auf,cite-ref-71[71] im April 2024 bei der FPĂ in Wien.cite-ref-standard12apr24-55-1[55] Dort rief er dazu auf, den FPĂ-Klubobmann Herbert Kickl zu wĂ€hlen: So könne heute âdas österreichische Volk [âŠ] die Welt aus der Hölleâ retten, in die ein Ăsterreicher (Adolf Hitler) sie vor 90 Jahren gefĂŒhrt habe.cite-ref-falter18apr24-56-1[56]
Zum Wahlkampfabschluss der FPĂ am 24. September 2024 trat Bhakdi erneut in Wien auf.cite-ref-72[72]
Reaktionen
Die Sozialpsychologin Pia Lamberty betonte im Mai 2020, Bhakdi sei kein Verschwörungsideologe, mache sich aber mit dem KenFM-Interview mit ihnen gemein und gebe ihnen wissenschaftliche Legitimation.cite-ref-73[73]
Die Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Kiel, das Exzellenz-Cluster Precision Medicine in Chronic Inflammation (PMI) und das UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) nahmen im August 2020 zu Bhakdis und ReiĂâ Buch und Interview mit einem Brief an die Landesregierung Stellung: Ihre Hauptthesen seien unbelegt, verharmlosend, gesundheitsgefĂ€hrdend und stĂŒnden âim Gegensatz zu seriösen internationalen wissenschaftlichen Erkenntnissenâ. Sie baten die zustĂ€ndige Kultusministerin Karin Prien, die bewĂ€hrten SchutzmaĂnahmen fortzusetzen.cite-ref-74[74] PrĂ€sidium und Senat der UniversitĂ€t, zwei Fachschaften und die UniversitĂ€tsgesellschaft schlossen sich mit eigenen Stellungnahmen an.cite-ref-75[75] Im Oktober 2020 distanzierten sich auch die Johannes-Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz und deren UniversitĂ€tsmedizin âan entscheidenden Stellenâ von Bhakdis Coronathesen: Sie seien âirrefĂŒhrend bis falschâ und nicht mit der UniversitĂ€t abgestimmt. Er berufe sich dabei fĂ€lschlich auf einen Status als âEmeritusâ, den er nicht besitze.cite-ref-unimainzokt2020-5-1[5]
Ende November 2020 löschte Youtube Bhakdis Kanal wegen medizinischer Fehlinformationen ĂŒber COVID-19.cite-ref-76[76] Am 15. Dezember 2020 verlieh die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) Bhakdi den Negativpreis Goldenes Brett vorm Kopf âfĂŒr den gröĂten unwissenschaftlichen Unsinn des Jahresâ 2020. Die Jury gab Bhakdi gegenĂŒber den Kandidaten Attila Hildmann und Michael Ballweg den Vorzug, weil er alle Preiskategorien perfekt erfĂŒllte. Als langjĂ€hriger Mediziner, der âes eigentlich besser wissen mĂŒssteâ, sei er immer wieder mit Falschaussagen aufgefallen: Es werde keine zweite Coronawelle geben, der GroĂteil der Bevölkerung sei lĂ€ngst immun, man solle die Masken abnehmen. Diese Falschaussagen habe er trotz der zweiten Pandemiewelle und heftiger wissenschaftlicher Kritik nicht zurĂŒckgenommen und so eine konkrete Gefahr erzeugt. Mit seinem Bestseller habe er davon profitiert, sei zum beliebten Interviewpartner und Talkshowgast geworden. Seine AnhĂ€nger nĂ€hmen ihn als AutoritĂ€t wahr, obwohl seine Meinungen weit vom wissenschaftlichen Konsens entfernt seien. So erfĂŒlle er das Misstrauen der âQuerdenkerâ gegen die Wissenschaft und illustriere das PhĂ€nomen der False Balance, auch falschen und widerlegten Meinungen Ă€hnliches Gewicht wie den wissenschaftlichen Fakten zu geben.cite-ref-77[77]
Bhakdi publizierte seine Coronathesen nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit Peer Reviews, so dass sie keiner wissenschaftlichen Kontrolle standhalten mĂŒssen. Darauf verwies die Sachbuchautorin Ingrid Brodnig im Januar 2021. Er sei schon âextrem oftâ mit Falschbehauptungen aufgeflogen.cite-ref-78[78] Der Arzt Matthias Soyka forderte Bhakdi zum Jahresbeginn 2021 auf, seine IrrtĂŒmer zuzugeben. Die RealitĂ€t von circa 1000 tĂ€glichen Coronatoten am Jahresende 2020 und die bundesweite Ăbersterblichkeit trotz der GegenmaĂnahmen hĂ€tten seine Thesen widerlegt. Die Todesraten seien in manchen Staaten noch weit höher â âund zwar ĂŒberall dort, wo die Regierungen so handelten, wie Bhakdi es empfahl.â Sein Irrtum habe die Debatte ĂŒber die MaĂnahmen entgleiten lassen; seine Selbstkritik wĂŒrde zur Versachlichung beitragen. Er wĂŒrde damit wissenschaftliche und Ă€rztliche Verantwortung ĂŒbernehmen und verlorene Sympathien zurĂŒckgewinnen. Soyka schlug Bhakdi vor, seine Erkenntnisse einem Peer-Review-Verfahren in einer anerkannten Fachzeitschrift auszusetzen. Ărzte sollten wieder dort statt in Videos, BlogaufsĂ€tzen aus âobskuren Quellenâ und Websites von Verschwörungsideologen publizieren. So könnte Bhakdi das Verbreiten von Fake News erschweren und bei sorgfĂ€ltiger Ă€rztlicher AufklĂ€rung von Patienten helfen.cite-ref-cicero-24-1[24]
Im FrĂŒhjahr 2022, nach der Anklage wegen Volksverhetzung gegen Bhakdi, leitete das Bildungsministerium von Rheinland-Pfalz ein Verfahren nach dem Landeshochschulgesetz ein, Bhakdi den Titel eines Professors abzuerkennen und ihm das WeiterfĂŒhren des Titels wegen UnwĂŒrdigkeit zu untersagen.cite-ref-79[79] Das Verfahren ruht bis zum Ergebnis des Strafverfahrens.cite-ref-80[80] Es war das erste Mal, dass eine deutsche Landesregierung ein solches Verfahren einleitete. Dies ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts möglich, falls ein Wissenschaftler die Grenzen der Wissenschaftsfreiheit stark ĂŒberschreitet, etwa durch âsystematische Ausblendung von Fakten, Quellen, Ansichten und Ergebnissen, die die Auffassung des Autors in Frage stellenâ.cite-ref-tonl2022-23-1[23]
Die Sozialwissenschaftler Peer Pasternack und Andreas Beer vom Institut fĂŒr Hochschulforschung an der Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg nannten Bhakdis Coronathesen 2022 als aktuell markantestes Beispiel fĂŒr âdestruktive Wissenschaftskommunikationâ: GestĂŒtzt auf seine Reputation entwickle und verbreite er Positionen, âdie sich aus einseitiger Auswahl und Deutung von Befunden ergeben und dadurch zum Teil oder in GĂ€nze wissenschaftlich unseriös werden.âcite-ref-81[81]
Der Wissenschaftsjournalist Henrik MĂŒller nannte Bhakdis Thesen zur Covid-19-Pandemie im Laborjournal als Beispiel fĂŒr âPseudo-Expertentumâ: Er prĂ€sentiere sich seit 2020 als SARS-CoV-2-Experte, habe aber nie ĂŒber Coronaviren geforscht und publiziert. Er beschreibe mRNA-Vakzine als âVerbrechen gegen die Menschlichkeitâ, bezichtige Gesundheitsorganisationen des Betrugs und stelle sich als Opfer von âMassenmedien, Politik und ehemaligen Kollegenâ dar, der dafĂŒr âdie Herzen von Millionen Menschen [âŠ] weltweit im Sturm erobertâ habe. Bhakdis Verein MWGFD wies mehrere GesprĂ€chsangebote des Journals zurĂŒck.cite-ref-hmmai25-65-1[65]
Antisemitische Aussagen
Im Februar 2021 warf Bhakdi der schleswig-holsteinischen Kultusministerin Karin Prien vor, mit ihrem Eintreten fĂŒr das Maskentragen betreibe sie die âVergiftung unserer Kinder durch CO2â. Laut dem Antisemitismusbeauftragten von Baden-WĂŒrttemberg Michael Blume erhob Bhakdi diesen Vorwurf nur gegen die deutschjĂŒdische Prien.cite-ref-blume2021-82-0[82] Blume zĂ€hlt Bhakdi zu den kommerziell erfolgreichen âVerschwörungsunternehmernâ der âQuerdenkerâ-Szene. Er habe seinen Bestseller auch auf dem YouTube-Kanal âKettner-Edelmetalle (Gold & Silber)â beworben, dort vor drohenden Enteignungen gewarnt und so den Verkauf von Edelmetallen und Finanzprodukten gefördert.cite-ref-blume2021-82-1[82]
In einem Interview vom April 2021, das am 14. Juli 2021 bekannt wurde, Ă€uĂerte sich Bhakdi antisemitisch: âDie Judenâ hĂ€tten âdas Böseâ aus NS-Deutschland gelernt und in Israel ânoch schlimmerâ umgesetzt, so dass Israel jetzt âdie lebende Hölleâ sei. Dies bezog sich im Kontext auf die CoronamaĂnahmen der Regierung Israels. Damit reihte Bhakdi sich laut Blume in Ă€hnliche Relativierungen des Nationalsozialismus und des Holocaust durch andere âQuerdenkenâ-Vertreter ein, jedoch ohne die bei ihnen ĂŒbliche Kodierung. Bhakdis Partei Die Basis wies die Kritik zurĂŒck.cite-ref-83[83] Der österreichische Sender ServusTV sagte weitere Auftritte mit Bhakdi ab. Der Goldegg Verlag kĂŒndigte an, keine weiteren Werke von ihm mehr zu verlegen und die Ă€lteren nicht mehr nachzudrucken.cite-ref-84[84] Das JĂŒdische Forum fĂŒr Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) kritisierte Bhakdis Aussagen als âCocktail aus israelbezogenem Antisemitismus, Relativierung der Nazizeit und schlichtweg tendenziösen Falschaussagenâ.cite-ref-85[85]
Bhakdi nahm seine Aussagen trotz vieler Proteste nicht zurĂŒck und erklĂ€rte sie nicht. Obwohl er seit Jahrzehnten in Deutschland lebt und publiziert, erklĂ€rte seine Partei spĂ€ter öffentlich, er sei kein deutscher Muttersprachler. Seine âunglĂŒckliche Wortwahlâ sei der âSorge um die Menschen in Israelâ entsprungen und nicht antisemitisch. Der von Bhakdi geleitete Verein MWGFD veröffentlichte einen Brief angeblicher HolocaustĂŒberlebender und ihrer Nachkommen, autorisiert von zwei israelischen AnwĂ€lten der Impfgegnerorganisation Anshei Emet. Darin wurden die aktuellen CoronamaĂnahmen im Vergleich zum Holocaust als âgröĂer und raffinierterâ bezeichnet. In einem Spendenaufruf fĂŒr den vor deutscher Strafverfolgung ins Ausland geflohenen Impfgegner Stefan Hockertz verglich Bhakdi ihn mit den NS-Verfolgten und behauptete, die angeblichen Holocaustopfer und deren Nachkommen hĂ€tten die Impfung als âEinleitung des zweiten Holocaustsâ bezeichnet.cite-ref-tagesschau16nov2021-86-0[86]
Der Antisemitismusbeauftragte der JĂŒdischen Gemeinde Berlin, Sigmount A. Königsberg, und der Vorsitzende der WerteInitiative. jĂŒdisch-deutsche Positionen, Elio Adler, stellten Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gegen Bhakdi.cite-ref-87[87] Am 14. November 2021 stellte die Staatsanwaltschaft Kiel das Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, weil sich die angezeigten ĂuĂerungen âvornehmlich gegen den Staat Israel als solchenâ und die dortige COVID-19-Impfkampagne gerichtet hĂ€tten. Dass Bhakdi gezielt zu Hass gegen âdie Judenâ aufreizen und die ZustĂ€nde der NS-Zeit verharmlosen oder billigen wollte, sei ihm nicht sicher genug nachzuweisen. Diese Entscheidung kritisierte unter anderen der Strafrechtler Thomas Fischer: Bhakdis Kritik an Israels CoronamaĂnahmen sei im Interviewkontext nur ein Beispiel fĂŒr âdas Volk der Judenâ und einen angeblichen âjĂŒdischen Charakterâ oder eine âWesensartâ von Juden allgemein, die sich beispielhaft in der âHölleâ des Staates Israel erfĂŒlle. Auch Remko Leemhuis (American Jewish Committee Berlin), Sigmount Königsberg, die JĂŒdische Studierendenunion Deutschland (JSUD)cite-ref-ja22nov2021-88-0[88] und die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) kritisierten den Beschluss. Laut deren Referentin Anja Thiele stammt die Vorstellung, Juden symbolisierten das âabsolut Böseâ oder âdie Hölleâ, aus dem Christentum des Mittelalters und wird heute auf Israel ĂŒbertragen. Zudem beinhalte Bhakdis Aussage die fĂŒr heutigen Antisemitismus typische TĂ€ter-Opfer-Umkehr, dass Israel schlimmer sei als NS-Deutschland. Der PrĂ€sident des ThĂŒringer Verfassungsschutzes Stephan J. Kramer betonte, Bhakdi habe vom âVolk der Judenâ und âden Judenâ, nicht nur vom Staat Israel gesprochen. Bhakdis Aussagen von âden Judenâ als monolithischer Einheit sind laut dem Antisemitismusbeauftragten fĂŒr Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen gemessen an der international anerkannten Antisemitismusdefinition eindeutig antisemitisch. Sie zeigten fĂŒr den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung Felix Klein exemplarisch, dass in der Coronapandemie selbst von Bundestagskandidaten wieder âHetze gegen Juden und schlimmste antisemitische Verschwörungsmythen offen in Fernsehkameras gesprochen werdenâ. Aus Anlass dieses Falls kritisierten sie den Umgang deutscher Justiz mit israelbezogenem Antisemitismus.cite-ref-tagesschau16nov2021-86-1[86]
Danach behauptete Bhakdi in einem Interview âeine monströse, dĂ€monische, satanische Agendaâ einer âwinzige[n] Gruppe von Menschenâ: Die âReichsten der Weltâ, die es sich leisten könnten, âGeld zu druckenâ, hĂ€tten den Plan fĂŒr die Impfkampagne schon vor 20 Jahren minutiös ausgeheckt und erfĂŒllten ihn nun mit gekauften Politikern. Am 20. November 2021 vertrat Bhakdi diese Ansichten als Hauptredner einer GroĂdemonstration auf dem Wiener Heldenplatz.cite-ref-ja22nov2021-88-1[88]
Infolge einer Beschwerde Elio Adlers nahm die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig das Ermittlungsverfahren gegen Bhakdi wieder aufcite-ref-89[89] und klagte ihn am 12. Mai 2022 erneut wegen Volksverhetzung an:cite-ref-90[90] zum einen wegen seiner InterviewĂ€uĂerung vom April 2021, zum anderen wegen seiner Wahlkampfaussage vom 24. September 2021 in Kiel. Dort hatte er die Zulassung von COVID-19-Impfstoffen mit einem angeblichen âEndzielâ und einem âzweiten Holocaustâ verbunden.cite-ref-91[91] Am 5. Oktober 2022 lieĂ das Amtsgericht Plön die Anklage zu. Bhakdi verglich sie indirekt mit der Verfolgung im Nationalsozialismus und drohte dem Amtsgericht, es wĂŒrden âinternational jetzt Protestler, Verteidiger von mir, parat stehen, und kommenâ.cite-ref-92[92]
Im Strafprozess am 23. Mai 2023 betonte das Gericht, Bhakdi sei nicht wegen seiner Ablehnung der COVID-19-Impfungen angeklagt; diese sei nicht strafbar. Nach der Beweisaufnahme sprach das Gericht ihn vom Vorwurf der Volksverhetzung und Holocaustverharmlosung frei: Es sei nicht auszuschlieĂen, dass seine ĂuĂerungen nur die israelische Regierung gemeint hĂ€tten.cite-ref-93[93] Zwar sei der Vergleich einer Impfpflicht mit dem Holocaust nicht akzeptabel, aber als Teil einer Rede Bhakdis von der Meinungsfreiheit gedeckt. Eine Holocaustverharmlosung allein könne den öffentlichen Frieden nicht stören, zumal er zuletzt zum friedlichen Diskurs aufgerufen habe.cite-ref-94[94] Die Generalstaatsanwaltschaft legte Berufung beim Landgericht Kiel ein.cite-ref-95[95]
Ende September 2024 brachten die JĂŒdischen österreichischen HochschĂŒler:innen (JöH) bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung gegen Bhakdi ein. Bei einer FPĂ-Wahlkampfveranstaltung hatte Bhakdi im Rahmen einer Rede ĂŒber die COVID-Pandemie bzw. die Impfungen gesagt: âWo Gewalt angewendet wird, da verschwindet die Menschlichkeit. Wo und wann ist in der Geschichte der Menschheit so viel Gewalt â körperlich, mental, verbal â angewandt worden? Die Antwort kennt ihr alle.â Diese Aussage interpretierten die JöH als Verharmlosung des Holocaust.cite-ref-96[96]cite-ref-97[97]
Publikationen
⹠Der Weg der Wahrheit. Dr. Sucharit Bhakdi im GesprÀch. (2023) 3. Auflage, Kamasha Verlag, Fulda 2024, ISBN 978-3-936767-72-8.
Mit Karina ReiĂ:
âą Corona unmasked. Neue Daten, Zahlen, HintergrĂŒnde. Goldegg, Berlin/Wien 2021, ISBN 978-3-99060-231-7.
âą Corona Fehlalarm? Zahlen, Daten und HintergrĂŒnde. Goldegg, Berlin/Wien 2020, ISBN 978-3-99060-191-4.
âą Schreckgespenst Infektionen. Mythen, Wahn und Wirklichkeit. Goldegg, Berlin/Wien 2016, ISBN 978-3-903090-66-8.
Literatur
âą Heike Kleffner, Matthias Meisner (Hrsg.): Fehlender Mindestabstand: Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde. Herder, Freiburg 2021, ISBN 978-3-451-39037-1 (S. 25 f., 127, 205, 259 f., 303)
Weblinks
Commons
: Sucharit Bhakdi
â Sammlung von Bildern
âą Literatur von und ĂŒber Sucharit Bhakdi im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Veröffentlichungen von und ĂŒber Sucharit Bhakdi auf dem Dokumentenserver Researchgate
âą Sucharit Bhakdi bei IMDb
Artikel
⹠Faktencheck: Falsche Zahlen zu Nebenwirkungen bei Corona-Impfung. dpa/SchwÀbische.de, 25. Dezember 2020
Videos und Audios
âą Quarks Science Cops Folge 1: Die Akte Bhakdi: So tricksen Corona-Verharmloser. WDR/Quarks.de, 29. November 2020; Audio-Download
Einzelnachweise
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cite-note-22. â Lebenslauf: Sucharit Bhakdi (Punyarataband). studylibde.com (undatiert)
cite-note-idw2002-33. â Petra Giegerich: Mainzer UniversitĂ€tsprofessor Sucharit Bhakdi wird mit dem Aronson-Preis 2001 ausgezeichnet. Informationsdienst Wissenschaft, 29. November 2002.
cite-note-44. â Mainzer Wissenschaftler prĂ€sentiert neue Hypothese zur Entstehung der GefĂ€Ăverkalkung. Aronson-PreistrĂ€ger Sucharit Bhakdi bricht mit vorherrschender Lehrmeinung zur Entstehung der Atherosklerose, Pressemitteilung der UniversitĂ€t Mainz, 2. Dezember 2002
cite-note-unimainzokt2020-55. â Unimedizin Mainz: Meldungsarchiv, 28. Oktober 2020.
cite-note-66. â Stellungnahmen zur Publikation âCorona Fehlalarm?â der UniversitĂ€t Kiel, 21. August 2020 / Update 2021 (31. Dezember); Dekan der Medizinischen FakultĂ€t Kiel: Stellungnahme zur SARS-CoV-2-Infektion. 18. August 2020.
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cite-note-6464. â Wulf Rohwedder: Zweierlei MaĂ bei âCorona-Rebellenâ. Tagesschau.de, 30. Juni / 10. August 2020.
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cite-note-6666. â Klaus Staeck: Die Anti-Impf-Partei. Frankfurter Rundschau, 7. Juli 2021; Daniel Laufer: âDie Basisâ: Eine schrecklich nette Partei. Netzpolitik.org, 5. Juni 2021.
cite-note-6767. â Sebastian Leber: Partei fĂŒr Energetiker, Aidsleugner und Holocaustverharmloser. Der Tagesspiegel, 6. Mai 2021.
cite-note-6868. â Joana Rettig: Sekten-Forscher Matthias Pöhlmann im Interview: âEsoterik und Verschwörungsmythen sind ein Zwillingspaarâ. Watson.ch, 25. Oktober 2021.
cite-note-6969. â Nicole Graner, Stephan Handel: Aktion von Impfgegnern: MĂŒnchner Ărzte erhalten Briefe aus der âQuerdenkerâ-Szene. SZ, 21. Dezember 2021.
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